Besuch in der Sammlung Achim Freyer
Am 15. Dezember habe ich gemeinsam mit der Schriftstellerin Kathrin Gerlof das Achim-Freyer-Kunsthaus besucht. Es war ein bewegender Besuch: Der Regisseur und Maler Achim Freyer führte uns persönlich durch seine atemberaubende Sammlung - zahlreiche Meisterwerke der frühen DDR-Avantgarde dicht an dicht -, danach blieben zwei Stunden für den inhaltlichen Austausch. Die Bilder zeigen Kathrin und mich gemeinsam vor den Werken sowie im Gespräch mit Herrn Freyer.
Anlass für unseren Besuch war unter anderem die Finissage der Ausstellung "Vom Widerstand der Künste", die erstmals einen eigenen Raum für bedeutende Werke der DDR-Avantgarde schafft, um die künstlerische Bedeutung dieser zu großen Teilen wenig sichtbaren Kunstszene präsenter zu machen. Die Ausstellung wurde vom 13.09. bis zum 07.12. gezeigt. Nach der Feiertagspause öffnet das Achim-Freyer-Kunsthaus im Januar wieder seine Pforten mit der Einzelausstellung »Sonntag« von Matthias Dornfeld. Weitere Informationen sowie bildliche Impressionen finden Sie auf der Website des Kunsthauses: www.achimfreyer.com/kunsthaus/ausstellungen/
ATZE Junior-Barcamp "Stimme der Zukunft" 2025 zu Besuch im Abgeordnetenhaus
Am 13.11.25 präsentierten Schülerinnen und Schüler der Schöneberger Neumark-Grundschule nach ihrer Teilnahme am ATZE Junior-Barcamp im Abgeordnetenhaus ihre Ergebnisse und ihr extrem sehenswertes Graphic Recording.
Das analoge Format „Barcamp“ wurde ursprünglich von und für Erwachsene entwickelt, die ihren digitalisierten Alltag für eine Zeit aufbrechen wollten. Es ist ein kreatives Diskussionsformat, das sehr stark von der Beteiligung der Teilnehmer*innen lebt und inhaltlich ohne Vorgaben auskommt. Die Themen eines Barcamps werden gemeinsam von den Teilnehmer*innen vor Ort bestimmt. Diskutiert werden die gesetzten Agendapunkte anschließend in Kleingruppensessions.
Begrüßung und die Vorstellungsrunde, bei alle Teilnehmer*innen zu Wort kommen, eröffnen die Veranstaltung. Gemeinsam folgt die Session-Planung sowie die Diskussion in kleineren Gruppen zu Themen, für die sich die Teilnehmer*innen jeweils interessieren. Es laufen immer so viele Sessions gleichzeitig wie Räume zur Verfügung stehen. Eine Abschluss-Session, in der das Plenum wieder zusammenkommt und sich in der großen Runde austauscht, schließen das Barcamp ab.
Das Besondere am ATZE Junior-Barcamp ist, dass es sich nicht an Erwachsene richtet, die gewohnt sind, ihre politischen Ansichten zu diskutieren und sich mit anderen über Zukunftsfragen auszutauschen. Im ATZE stehen diejenigen im Fokus, die von den Entscheidungen der Politiker*innen in Zukunft besonders betroffen sind: Kinder. Dabei finden die Diskussionen nicht im abgeschlossenen Raum statt: Politiker*innen werden zur Veranstaltung geladen und begegnen den Teilnehmer*innen, durch einen von den Theaterpädagog*innen des ATZE gesetzten Rahmen, auf Augenhöhe.
Ausgelegt ist das Format für Kinder im Alter von 9 bis 13 Jahren. Während es seinen kreativen und partizipativen Charakter behält, gibt es Vorbereitungsworkshops, die verdeutlichen, wer im Verlauf die Gestaltenden sind. Abweichend vom ursprünglichen Barcamp-Konzept, werden im ATZE Junior-Barcamp auch die Sessions moderierend begleitet. Co-Moderator*innen unterstützen die Kinder, eigene Ideen konkret zu formulieren und die Diskussionen am Laufen zu halten. Einen besonderen Stellenwert finden kreative Formate, um die teils schweren Themen in den Sessions und Präsentationen spielerisch zu halten. So werden beispielsweise die Forderungen mit Legosteinen illustriert, ein Lastwagen des ATZE von den Kindern besprüht oder die Ergebnisse und Erlebnisse in einem Graphic Recording festgehalten.
Mitarbeiter der landeseigenen Theater fürchten Privatisierung
Kommentar von Dr. Manuela Schmidt in der RBB-Abendschau
Noch hat Berlin fünf landeseigene Bühnen, doch damit könnte bald Schluss sein. Aktuell wird über eine Neuorganisation gesprochen. Die Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs.
"Das ist das Gegenteil von einem Kulturverständnis der Teilhabe, das wir in Berlin aufgebaut haben", kommentiert Manuela Schmidt. Niemand von den Landesbeschäftigten an den Theatern könne gezwungen werden, den öffentlichen Dienst zu verlassen.
Den vollen Artikel können Sie hier nachlesen.
Vom Wert der Kultur
Dr. Manuela Schmidt, kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus
Kurz, bevor das Jahr 2024 zu Ende geht, verkündete der schwarzrote Senat seine Sparvorhaben für das kommende Jahr und kündigte gleich mit an, dass es 2026 auf keinen Fall besser, eher noch schlechter aussehen würde.
Wider alle vorherigen Versprechungen und vermeintlich kämpferischen Ansagen, soll und wird der Kulturetat – der kleinste Etat des Berliner Haushalts – 2025 mit 130 Millionen Euro fast 13 Prozent sparen müssen. Ob der Kultursenator mit am Tisch gesessen hat, als dies beschlossen wurde, scheint fragwürdig. Ob er gekämpft hat, wie zuvor versichert, ist allerdings geklärt. Das hat er nicht getan.
Wie der Senat zu der Überzeugung gekommen ist, es sei möglich, wenige Wochen vor Ende des Jahres so viel Geld zu streichen, derartige Kürzungen zu beschließen und davon auszugehen, dass dies nicht mit den bereits geschlossenen Verträgen, ausgereiften und vertraglich gebundenen Planungen, verlängerten Mietverträgen, vorbereiteten und bereits in Gewerken gebundenen Investitionsmaßnahmen, vergebenen Stipendien, vereinbarten Gastspielen, fest geplanten Austauschprogrammen, gerade erst besetzten Stellen kollidiert, weiß niemand. Wahrscheinlich auch nicht die Koalition. Und niemand kann jetzt schon komplett ermessen, wie sich das linke-Tasche-rechte-Tasche-Prinzip, nach dem hier gearbeitet wurde, auswirkt, wenn freie und kurzerhand entlassene Kulturschaffende beim Jobcenter oder Sozialamt landen, Vertragsstrafen fällig werden, Strukturen, die jahrelang aufgebaut wurden, unwiederbringlich zerstört sind. „Subventionierte Kultur droht zukünftig kleinbürgerlich, spießig, nationalprovinziell und zugleich elitär zu werden, weil ja auch die niedrigschwelligen Angebote wegfallen. Die AfD kann applaudieren“, schrieb die Autorin Annett Gröschner und der Befund stimmt.
Was diese fast 13 Prozent im Einzelnen und für jedes Kulturprojekt, Opernhaus und Theater, für die freie Szene, für die Bibliotheken, Jugendkunstschulen, aufgebauten Projekte und Strukturen bedeuten, wurde seit Verkündung der Sparvorhaben mit zunehmender Wut und wachsender Verzweiflung von den Kulturschaffenden angezeigt. Viele Häuser und Projekte haben – jenseits der durch Personalkosten, Instandhaltung, Miete und andere Fixkosten definierten Gelder – zwischen 10 bis 15 Prozent ihres Etats für Programmgestaltung zur Verfügung. Gut möglich also, dass wir bald – wie im Theater an der Parkaue – ein saniertes Haus und Personal haben, aber keine neuen Stücke. Dass die Komische Oper nicht nur zwei Jahre von einem Baustopp betroffen sein wird, sondern ganz stirbt. Dass ein Kulturstandort, wie die Lucy-Lameck-Straße, zwar noch steht, aber tot ist, weil das Vergabeverfahren zwar stattgefunden hat und der Zuschlag für eine neue Betreiberin versprochen war, nun aber gar kein Geld mehr fließen wird. Diese Liste ließe sich jetzt seitenweise fortführen. Eine Litanei des Elends und der kurzsichtigen Entscheidungen, weil sich zu fast allen beschlossenen Kürzungen die Frage stellen ließe: Habt Ihr das bis zu Ende gedacht?
Die Kulturschaffenden protestieren und die Politik in Gestalt der Koalition erteilt ihnen Ratschläge, dass sie ja auch mal anfangen könnten, auf Wirtschaftlichkeit zu setzen, mehr Eigeninitiative bei der Beschaffung von Geld zeigen und nicht vergessen sollten, dass Kultur eben nicht systemrelevant, sondern eine freiwillige Aufgabe für sonnige Zeiten ist.
Der Regierende Bürgermeister zog in seiner Argumentation die Supermarktkassiererin als Zeugin und erklärte in ihrem Namen, der stoße es auch auf, wenn sie zwar nie eine Opernvorstellung besuche, aber die Tickets mit ihren Steuergeldern subventionieren müsse.
Diese Argumentation war der erwartbare Paradigmenwechsel, gepaart mit der ebenso erwartbaren Argumentation, dass die rot-grün-rote Vorgängerregierung an allem schuld sei und man nun nur deren Suppen auslöffle.
„Geld ins Theater oder ins Schwimmbecken?“, fragte die Süddeutsche Zeitung. Damit ist genau jene Diskussion eröffnet, an deren Ende alle verlieren, die einen Beitrag zur Daseinsvorsorge, zum Gemeinwohl, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, Fürsorge und Bildung, Demokratie und Verständigung, Diversität und Integration leisten. Sie werden gegeneinander ausgespielt und abgewogen. Ins Töpfchen, ins Kröpfchen. Willst du eine Feuerwehr, die im Brandfall kommt, oder ein Kinder- und Jugendtheater mit einem tollen Programm für deine Kinder und Ticketpreisen, die du bezahlen kannst? Wenn das die Alternative ist, dann die Feuerwehr. Das liegt auf der Hand.
Aber es ist nicht die Alternative und wir dürfen uns auf diese Debatte ebenso wenig einlassen, wie auf die Idee des Kultursenators, jetzt mal mehr auf Mäzenatentum, Sponsoring und privates Kapital zu setzen bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung in den Kultureinrichtungen und mehr (sic!) Eigenverantwortung. Als seien da Dödels am Werk, die nichts anders können, als die Hand aufhalten.
Alles genannte sind Möglichkeiten, die ausgelotet werden können, aber keine Lösung im Sinne einer Kulturlandschaft, wie Berlin sie aufzuweisen hat. UND BRAUCHT! Vor allem aber hätte über all dies mit ausreichender Zeit und gemeinsam an einem Tisch geredet werden müssen. Ich bin sicher und das ist auch der Tenor: Die Kulturschaffenden dieser Stadt hätten sich der Notwendigkeit, zu sparen, nicht verweigert und wären bereit gewesen, darüber zu reden, wie und wo das möglich ist, ohne, dass die Substanz zerstört wird. Aber mit ihnen hat niemand geredet. 8,9 Prozent der Beschäftigten Berlins sind Kulturschaffende (bundesweit sind es 2,9 Prozent).
Unsere Aufgabe als Opposition besteht darin, dies nicht durchgehen zu lassen und alles zu versuchen, die drohenden Desaster abzumildern oder zu verhindern. Vorschläge zu machen. Ein Zaun um den Görlitzer Park für 1,56 Millionen Euro, Wassertaxis für zwei Millionen Euro, keine Erhöhung der Preise für einen Anwohnerparkausweis… es gibt wirklich Einsparmöglichkeiten, vor allem aber auch Möglichkeiten, die Einnahmen zu erhöhen. Und trotzdem wird Sparen notwendig sein, aber wir werden uns nicht auf die „Theater oder Schwimmbecken, Feuerwehr oder Oper, kostenfreies Schulessen oder Musikschule-Debatten“ einlassen.
Erst Mitte Dezember wird endgültig feststehen, wer ab 1. Januar noch wie viel, wie viel weniger oder gar kein Geld mehr bekommt. Das ist eine sehr bizarre Vorstellung, wie man den Kulturschaffenden seiner Stadt Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr wünscht.






