103. Rotes Sofa im Abgeordnetenbüro Schmidt
Auch am 18.02. hatten wir am Helene-Weigel-Platz wieder hochkarätige Literatur zu Gast: diesmal Kathrin Gerlof mit ihrem 2018 erschienenen Roman „Nenn mich November“. Darin erzählt Gerlof die Geschichte eines Paares, das einen Neuanfang wagt und dabei vieles verliert. Es ist eine realistische Geschichte, eine Geschichte mitten aus dem Leben, in der für die Figuren nicht alles glatt läuft, bei weitem nicht, aber die Gerlofs Botschaft ist am Ende doch eine optimistische: „Wenn man einander liebt, dann kann man es schaffen, auch aus dem tiefsten Tief wieder emporzuklettern.“
Erst auf dem Roten Sofa, im Gespräch mit Gastgeberin Manuela Schmidt, erfährt Kathrin Gerlof, was die Presse über sie geschrieben hat: Der Deutschlandfunk etwa bescheinigt ihr einen Erzählton „zwischen Lakonie und Zärtlichkeit.“ Gerlof hatte die Rezensionen zum Buch bisher nicht gelesen – aber freut sich sichtlich über die Anerkennung, und wichtiger noch: Sie macht es für uns als Zuhörer und Zuhörerinnen auch greifbar, was das für eine Schriftstellerin heißt: nichts zu beschönigen, aber dennoch eine tiefe Liebe zu den eigenen Figuren zu pflegen.
„Ich bin keine Dorfhasserin“, versichert Gerlof daher, auch wenn sie die Dorfstimmung in „Nenn mich November“ zum Teil ziemlich deprimierend beschreibt. Der Ausgangspunkt ist der: Marthe kündigt ihren Job als Sachbearbeiterin im Jobcenter. „Ich bin kein besonders guter Mensch“, sagt Marthe, „aber Leute zu bestrafen, die schon am Ende sind, das bringe selbst ich nicht fertig.“ Und dann landet sie mit ihrem Mann David in dieser Dorftristesse: in einem Dorf, das stirbt, weil seine Bewohner das Leben verlernt zu haben, wo es aber auch Hoffnung gibt, zarte Pflänzchen des Aufbruchs, weil die Menschen – Marthe und David eingeschlossen – es nach einem Weckruf trotz allem wieder schaffen, einander zu begegnen. Eigentlich ein Wunder, „wenn der Bus nur einmal am Tag fährt und der letzte Hausarzt schon in Rente gegangen ist...“
Kathrin Gerlof ist Schriftstellerin und freischaffende Journalistin, früher war sie u.a. Chefredakteurin der Jungen Welt – und wenn sie Zeit hat, besucht sie uns am Helene-Weigel-Platz zum Roten Sofa.

