97. Rotes Sofa im Abgeordnetenbüro Schmidt
Am Freitag (05.09.) hatten wir auf dem Roten Sofa im Abgeordnetenbüro Schmidt erneut den Kunsthistoriker und Krimischriftsteller Jürgen Tietz zu Gast. Es war Tietz' zweiter Besuch innerhalb von nur einem Jahr: Im Juni 2024 hatte er uns zusammen mit Pieke Biermann und Klaus Lederer die Lange Kriminacht auf dem Helene-Weigel-Platz beschert - diesmal mussten wir aufgrund der noch immer andauernden Bauarbeiten in die Innenräume ausweichen.
Der Krimilektüre tat dies aber keinen Abbruch. Die Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten gebannt, wie Tietz aus Band 2 seiner Berliner Krimireihe vorlas: Auf die "Berliner Monster" (Teil 1) folgt nun die "Berliner Schuld". Wieder ermittelt Kommissar Adler, wieder ist der Schauplatz das von Trümmern übersäte Berlin der Nachkriegszeit (1947). Aber diesmal hat der Serientäter, dem Adler auf der Spur ist, es nicht auf Kinder abgesehen, sondern auf erwachsene Frauen.
"Es gibt in der Literatur immer diese Schubladen", sagt Jürgen Tietz über seine Wendung zum Kriminalroman, "und sie sagen uns: Krimiautoren sind keine richtigen Schriftsteller." Tietz tritt den Gegenbeweis an: Er erzählt nicht nur eine fesselnde Kriminalgeschichte, sondern tut dies auf eine literarisch mitreißende Art und Weise. Und mehr noch: Auch die "Berliner Schuld" ist wieder eine Liebeserklärung des Autors an seine Heimatstadt Berlin. Er sieht sie immer mit den Augen eines Architektur- und Kunsthistorikers - "ich verleugne meine Vergangenheit nicht", sagt Tietz lachend -, aber wichtiger vielleicht noch: mit Berliner Augen. Und das merkt man auch seinem Vortrag an, in dem er immer wieder Figuren mit breitem Berlinerisch zum Leben erweckt - das Berliner Publikum am Helene-Weigel-Platz weiß es zu schätzen.

