98. Rotes Sofa im Abgeordnetenbüro Schmidt

Am 26.09. hatten wir auf dem Roten Sofa im Abgeordnetenbüro Manuela Schmidt die Schriftstellerin Katja Oskamp zu Gast. Sie gehört zu den wenigen Gästen des Roten Sofas, die uns schon dreimal beehrt haben - und machte dieses 98. Rote Sofa zu einer unserer bestbesuchten Veranstaltungen überhaupt.

Vor rappelvollem Haus berichtete Oskamp von der Entstehung ihres neuen Buches "Die vorletzte Frau" und las einige Passagen vor, die Lust machen auf mehr. "Die vorletzte Frau" ist in erster Linie eine Liebesgeschichte: die Geschichte von Oskamps 19 Jahre währender Beziehung zum Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann, zärtlich und mit beeindruckender Offenheit erzählt. 19 Jahre jedoch, in denen auf das leidenschaftliche Kennenlernen und die gegenseitige künstlerische Inspiration Tosch - so heißt Hürlimann im Buch - schließlich an Prostatakrebs erkrankt: sodass es im Buch bei weitem nicht nur um die stürmischen Seiten der Liebe geht, sondern auch um den Umgang eines Paares mit Altern, Krankheit, Pflege. "Wäre alles so gekommen, wenn Tosch in diesen 19 Jahren nicht krank und ich nicht alt geworden wäre?", fragt Oskamp - legt gleichsam Rechenschaft über ihre gesamte Existenz ab und erzählt nebenbei und ganz spielerisch-leicht von... nun ja: von den wichtigen Dingen eines Menschenlebens eben, und zwar auf eine Art, wie wohl nur Schriftstellerinnen es können.

Dass die Lebenszeit jenseits der 50 die "Ersatzteilphase" sei, sagt Oskamp zum Beispiel mit Blick auf einen der Protagonisten von "Die vorletzte Frau". Dass die Kneipe eine wundervolle Kulturtechnik sei, die ihr viele Therapiesitzungen erspart habe. Dass sie gar nicht anders gekonnt habe, als mit voller Wahrhaftigkeit über ihr Leben zu schreiben. Dass es ihr bei aller Bewunderung für ihre Ehrlichkeit und Schonungslosigkeit immer so vorgekommen sei, als hätte sie gar keine andere Wahl gehabt. Die Fußbeschreibungen aus ihrem Roman "Marzahn Mon Amour" nimmt Oskamp hier als Beispiel: "Die Leute wunderten sich manchmal über all die detaillierten Beschreibungen von Füßen... aber seien wir ehrlich, ohne die Füße wäre das Buch doch leer, also wäre es mir allein aus diesem Grund schon nicht möglich gewesen, etwas zu beschönigen."

Nur den Grund, warum das Buch "Die vorletzte Frau" heißt, den verrät Katja Oskamp an diesem Abend nicht. Kaufen Sie das Buch oder leihen Sie es in einer nahegelegenen Bibliothek aus, es lohnt sich!